Freitag, 8. Januar 2016

Dramaturgie: Aufteilung in O-Ton-Passagen und solche mit Paraphrase

1. Akt

-       Theobald Anfang / Unterbrechung Paraphrase / Schluss (S. 16)
Theobald: „Ich erlitt, in drei und funfzig Jahren, da ich lebe, so viel Unrecht, daß meiner Seele Gefühl nun gegen seinen Stachel wie gepanzert ist; und während ich Waffen schmiede, für andere, die die Mücken stechen, sag ich selbst zum Skorpion: fort mit dir! und laß ihn fahren. Friedrich, Graf Wetter vom Strahl, hat mir mein Kind verführt, meine Katharine. Nehmt ihn, ihr irdischen Schergen Gottes, und überliefert ihn allen geharnischten Scharen, die an den Pforten der Hölle stehen und ihre glutroten Spieße schwenken: ich klage ihn schändlicher Zauberei, aller Künste der schwarzen Nacht und der Verbrüderung mit dem Satan an!“

-        Paraphrase

Theobald: „Seit jenem Tage folgt sie ihm nun, gleich einer Metze, in blinder Ergebung, von Ort zu Ort; geführt am Strahl seines Angesichts, fünfdrähtig, wie einen Tau, um ihre Seele gelegt; auf nackten, jedem Kiesel ausgesetzten, Füßen, das kurze Röckchen, das ihre Hüfte deckt, im Winde flatternd, nichts als den Strohhut auf, sie gegen der Sonne Stich, oder den Grimm empörter Witterung zu schützen. Wohin sein Fuß, im Lauf seiner Abenteuer, sich wendet: durch den Dampf der Klüfte, durch die Wüste, die der Mittag versengt, durch die Nacht verwachsener Wälder: wie ein Hund, der von seines Herren Schweiß gekostet, schreitet sie hinter ihm her; und die gewohnt war, auf weichen Kissen zu ruhen, und das Knötlein spürte, in des Bettuchs Faden, das ihre Hand unachtsam darin eingesponnen hatte: die liegt jetzt, einer Magd gleich, in seinen Ställen, und sinkt, wenn die Nacht kömmt, ermüdet auf die Streu nieder, die seinen stolzen Rossen untergeworfen wird.“

-       Graf vom Strahl (grosser Monolog)

Strahl: „Ich war, es mögen ohngefähr zwölf Wochen sein, auf einer Reise, die mich nach Straßburg führte, ermüdet, in der Mittagshitze, an einer Felswand, eingeschlafen – nicht im Traum gedacht ich des Mädchens mehr, das in Heilbronn aus dem Fenster gestürzt war – da liegt sie mir, wie ich erwache, gleich einer Rose, entschlummert zu Füßen; als ob sie vom Himmel herabgeschneit wäre! Und da ich zu den Knechten, die im Grase herumliegen, sage: Ei, was der Teufel! Das ist ja das Käthchen von Heilbronn! schlägt sie die Augen auf, und bindet sich das Hütlein zusammen, das ihr schlafend vom Haupt herabgerutscht war. Katharine! ruf ich: Mädel! Wo kömmst auch her? Auf funfzehn Meilen von Heilbronn, fernab am Gestade des Rheins? »Hab ein Geschäft, gestrenger Herr«, antwortet sie, »das mich gen Straßburg führt; schauert mich im Wald so einsam zu wandern, und schlug mich zu Euch.« Drauf laß ich ihr zur Erfrischung reichen, was mir Gottschalk, der Knecht, mit sich führt, und erkundige mich: wie der Sturz abgelaufen; auch, was der Vater macht? Und was sie in Straßburg zu erschaffen denke? Doch da sie nicht freiherzig mit der Sprache herausrückt: was auch gehts dich an, denk ich; ding ihr einen Boten, der sie durch den Wald führe, schwing mich auf den Rappen, und reite ab. Abends, in der Herberg, an der Straßburger Straß , will ich mich eben zur Ruh niederlegen: da kommt Gottschalk, der Knecht, und spricht: das Mädchen sei unten und begehre in meinen Ställen zu übernachten. Bei den Pferden? frag ich. Ich sage: wenns ihr weich genug ist, mich wirds nicht drücken. Und füge noch, indem ich mich im Bett wende, hinzu: magst ihr wohl eine Streu unterlegen, Gottschalk, und sorgen, daß ihr nichts widerfahre. Drauf, wandert sie, kommenden Tages früher aufgebrochen, als ich, wieder auf der Heerstraße, und lagert sich wieder in meinen Ställen, und lagert sich Nacht für Nacht, so wie mir der Streifzug fortschreitet, darin, als ob sie zu meinem Troß gehörte. Nun litt ich das, ihr Herren, um jenes grauen, unwirschen Alten willen, der mich jetzt darum straft; denn der Gottschalk, in seiner Wunderlichkeit, hatte das Mädchen lieb gewonnen, und pflegte ihrer, in der Tat, als seiner Tochter; führt dich die Reise einst, dacht ich, durch Heilbronn, so wird der Alte dirs danken. Doch da sie sich auch in Straßburg, in der erzbischöflichen Burg, wieder bei mir einfindet, und ich gleichwohl spüre, daß sie nichts im Orte erschafft. denn mir hatte sie sich ganz und gar geweiht, und wusch und flickte, als ob es sonst am Rhein nicht zu haben wäre: so trete ich eines Tages, da ich sie auf der Stallschwelle finde, zu ihr und frage: was für ein Geschäft sie in Straßburg betreibe? Ei, spricht sie, gestrenger Herr, und eine Röte, daß ich denke, ihre Schürze wird angehen, flammt über ihr Antlitz empor: »was fragt Ihr doch? Ihr wißts ja!« – Holla! denk ich, steht es so mit dir? und sende einen Boten flugs nach Heilbronn, dem Vater zu, mit folgender Meldung: das Käthchen sei bei mir; ich hütete seiner; in kurzem könne er es, vom Schlosse zu Strahl, wohin ich es zurückbringen würde, abholen.
Graf Otto. Nun? Und hierauf?
Wenzel. Der Alte holte die Jungfrau nicht ab?
Strahl: „ Drauf, da er am zwanzigsten Tage, um sie abzuholen, bei mir erscheint, und ich ihn in meiner Väter Saal führe: erschau ich mit Befremden, daß er, beim Eintritt in die Tür, die Hand in den Weihkessel steckt, und mich mit dem Wasser, das darin befindlich ist, besprengt. Ich arglos, wie ich von Natur bin, nötge ihn auf einen Stuhl nieder; erzähle ihm, mit Offenherzigkeit, alles, was vorgefallen; eröffne ihm auch, in meiner Teilnahme, die Mittel, wie er die Sache, seinen Wünschen gemäß, wieder ins Geleis rücken könne; und tröste ihn und führ ihn, um ihm das Mädchen zu übergeben, in den Stall hinunter, wo sie steht, und mir eine Waffe von Rost säubert. So wie er in die Tür tritt, und die Arme mit tränenvollen Augen öffnet, sie zu empfangen, stürzt mir das Mädchen leichenbleich zu Füßen, alle Heiligen anrufend, daß ich sie vor ihm schütze. Gleich einer Salzsäule steht er, bei diesem Anblick, da; und ehe ich mich noch gefaßt habe, spricht er schon, das entsetzensvolle Antlitz auf mich gerichtet: das ist der leibhaftige Satan! und schmeißt mir den Hut, den er in der Hand hält, ins Gesicht, als wollt er ein Greuelbild verschwinden machen, und läuft, als setzte die ganze Hölle ihm nach, nach Heilbronn zurück.

-       Käthchen und Graf

Graf Otto (da sie vor der Schranke steht).
Du sollst hier Antwort geben, kurz und bündig,
Auf unsre Fragen! Denn wir, von unserem
Gewissen eingesetzt, sind deine Richter
Und an der Strafe, wenn du freveltest
Wirds deine übermütge Seele fühlen.
Käthchen.
Sprecht ihr verehrten Herrn; was wollt ihr wissen?
Graf Otto.
Warum, als Friedrich Graf vom Strahl erschien,
In deines Vaters Haus, bist du zu Füßen
Wie man vor Gott tut, nieder ihm gestürzt?
Warum warfst du, als er von dannen ritt'
Dich aus dem Fenster sinnlos auf die Straße,
Und folgtest ihm, da kaum dein Bein vernarbt,
Von Ort zu Ort, durch Nacht und Graus und Nebel,
Wohin sein Roß den Fußtritt wendete?
Käthchen (hochrot zum Grafen).
Das soll ich hier vor diesen Männern sagen?
Der Graf vom Strahl.
Die Närrin, die verwünschte, sinnverwirrte,
Was fragt sie mich? Ists nicht an jener Männer
Gebot, die Sache darzutun, genug?
Käthchen (in Staub niederfallend).
Nimm mir, o Herr, das Leben, wenn ich fehlte!
Was in des Busens stillem Reich geschehn,
Und Gott nicht straft, das braucht kein Mensch zu wissen;
Den nenn ich grausam, der mich darum fragt!
Wenn du es wissen willst, wohlan, so rede,
Denn dir liegt meine Seele offen da!
Hans.
Ward, seit die Welt steht, so etwas erlebt?
Wenzel.
Im Staub liegt sie vor ihm –
Hans.                                           Gestürzt auf Knieen –
Wenzel.
Wie wir vor dem Erlöser hingestreckt!
Der Graf vom Strahl (zu den Richtern).
Ihr würdgen Herrn, ihr rechnet, hoff ich, mir
Nicht dieses Mädchens Torheit an! Daß sie
Ein Wahn betört, ist klar, wenn euer Sinn
Auch gleich, wie meiner, noch nicht einsieht, welcher?
Erlaubt ihr mir, so frag ich sie darum:
Ihr mögt, aus meinen Wendungen entnehmen,
Ob meine Seele schuldig ist, ob nicht?
Graf Otto (ihn forschend ansehend).
Es sei! Versuchts einmal, Herr Graf, und fragt sie.
Der Graf vom Strahl (wendet sich zu Käthchen, die noch immer auf Knieen liegt).
Willt den geheimsten der Gedanken mir,
Kathrina, der dir irgend, faß mich wohl,
Im Winkel wo des Herzens schlummert, geben?
Käthchen.
Das ganze Herz, o Herr, dir, willt du es,
So bist du sicher des, was darin wohnt.
Der Graf vom Strahl.
Was ists, mit einem Wort, mir rund gesagt,
Das dich aus deines Vaters Hause trieb?
Was fesselt dich an meine Schritte an?
Käthchen.
Mein hoher Herr! Da fragst du mich zuviel.
Und läg ich so, wie ich vor dir jetzt liege,
Vor meinem eigenen Bewußtsein da:
Auf einem goldnen Richtstuhl laß es thronen,
Und alle Schrecken des Gewissens ihm,
In Flammenrüstungen, zur Seite stehn;
So spräche jeglicher Gedanke noch,
Auf das, was du gefragt: ich weiß es nicht.
Der Graf vom Strahl.
Du lügst mir, Jungfrau? Willst mein Wissen täuschen?
Mir, der doch das Gefühl dir ganz umstrickt;
Mir, dessen Blick du da liegst, wie die Rose,
Die ihren jungen Kelch dem Licht erschloß? –
Was hab ich dir einmal, du weißt, getan?
Was ist an Leib und Seel dir widerfahren?
Käthchen.
Wo?
Der Graf vom Strahl. Da oder dort.
Käthchen.                                         Wann?
Der Graf vom Strahl.                                   Jüngst oder früherhin.
Käthchen.
Hilf mir, mein hoher Herr.
Der Graf vom Strahl.                 Ja, ich dir helfen,
Du wunderliches Ding. – (Er hält inne.)
                                        Besinnst du dich auf nichts?
Käthchen (sieht vor sich nieder).
Der Graf vom Strahl.
Was für ein Ort, wo du mich je gesehen,
Ist dir im Geist, vor andern, gegenwärtig.
Käthchen.
Der Rhein ist mir vor allen gegenwärtig.
Der Graf vom Strahl.
Ganz recht. Da eben wars. Das wollt ich wissen.
Der Felsen am Gestad des Rheins, wo wir
Zusammen ruhten, in der Mittagshitze.
- Und du gedenkst nicht, was dir da geschehn?
Käthchen.
Nein, mein verehrter Herr.
Der Graf vom Strahl.                 Nicht? Nicht?
- Was reicht ich deiner Lippe zur Erfrischung?
Käthchen.
Du sandtest, weil ich deines Weins verschmähte,
Den Gottschalk, deinen treuen Knecht, und ließest
Ihn einen Trunk mir, aus der Grotte schöpfen.
Der Graf vom Strahl.
Ich aber nahm dich bei der Hand, und reichte
Sonst deiner Lippe – nicht? Was stockst du da?
Käthchen.
Wann?
Der Graf vom Strahl. Eben damals.
Käthchen.                                         Nein, mein hoher Herr.
Der Graf vom Strahl.
Jedoch nachher.
Käthchen.                 In Straßburg?
Der Graf vom Strahl.                     Oder früher.
Käthchen.
Du hast mich niemals bei der Hand genommen.
Der Graf vom Strahl.
Kathrina!
Käthchen (errötend). Ach vergib mir; in Heilbronn!
Der Graf vom Strahl.
Wann?
Käthchen.   Als der Vater dir am Harnisch wirkte.
Der Graf vom Strahl.
Und sonst nicht?
Käthchen.                   Nein, mein hoher Herr.
Der Graf vom Strahl.                                     Kathrina!
Käthchen.
Mich bei der Hand?
Der Graf vom Strahl.     Ja, oder sonst, was weiß ich.
Käthchen (besinnt sich).
In Straßburg einst, erinnr' ich mich, beim Kinn.
Der Graf vom Strahl.
Wann?
Käthchen.   Als ich auf der Schwelle saß und weinte,
Und dir auf was du sprachst, nicht Rede stand.
Der Graf vom Strahl.
Warum nicht standst du Red?
Käthchen.                                     Ich schämte mich.
Der Graf vom Strahl.
Du schämtest dich? Ganz recht. Auf meinen Antrag.
Du wardst glutrot bis an den Hals hinab.
Welch einen Antrag macht ich dir?
Käthchen.                                               Der Vater,
Der würd, sprachst du, daheim im Schwabenland,
Um mich sich härmen, und befragtest mich,
Ob ich mit Pferden, die du senden wolltest,
Nicht nach Heilbronn zu ihm zurück begehrte?
Der Graf vom Strahl (kalt).
Davon ist nicht die Rede! – Nun, wo auch,
Wo hab ich sonst im Leben dich getroffen?
- Ich hab im Stall zuweilen dich besucht.
Käthchen.
Nein, mein verehrter Herr.
Der Graf vom Strahl.                 Nicht? Katharina!
Käthchen.
Du hast mich niemals in dem Stall besucht,
Und noch viel wen'ger rührtest du mich an.
Der Graf vom Strahl.
Was? Niemals?
Käthchen.                 Nein, mein hoher Herr.
Der Graf vom Strahl.                                   Kathrina!
Käthchen (mit Affekt).
Niemals, mein hochverehrter Herr, niemals.
Der Graf vom Strahl.
Nun seht, bei meiner Treu, die Lügnerin!
Käthchen.
Ich will nicht selig sein, ich will verderben,
Wenn du mich je –!
Der Graf vom Strahl (mit dem Schein der Heftigkeit.)
                                Da schwört sie und verflucht
Sich, die leichtfertge Dirne, noch und meint,
Gott werd es ihrem jungen Blut vergeben!
- Was ist geschehn, fünf Tag von hier, am Abend,
In meinem Stall, als es schon dunkelte,
Und ich den Gottschalk hieß, sich zu entfernen?
Käthchen.
O! Jesus! Ich bedacht es nicht! –
Im Stall zu Strahl, da hast du mich besucht.
Der Graf vom Strahl.
Nun denn! Da ists heraus? Da hat sie nun
Der Seelen Seligkeit sich weggeschworen!
Im Stall zu Strahl, da hab ich sie besucht!
(Käthchen weint.)
(Pause.)
Graf Otto.
Ihr quält das Kind zu sehr.
Theobald (nähert sich ihr gerührt). Komm, meine Tochter.
        (Er will sie an seine Brust heben.)
Käthchen.
Laß, laß!
Wenzel.         Das nenn ich menschlich nicht verfahren.
Graf Otto.
Zuletzt ist nichts im Stall zu Strahl geschehen.
Der Graf vom Strahl (sieht sie an).
Bei Gott, ihr Herrn, wenn ihr des Glaubens seid:
Ich bins! Befehlt, so gehn wir aus einander.
Graf Otto.
Ihr sollt das Kind befragen, ist die Meinung,
Nicht mit barbarischem Triumph verhöhnen.
Seis, daß Natur Euch solche Macht verliehen:
Geübt wie Ihrs tut, ist sie hassenswürdger,
Als selbst die Höllenkunst, der man Euch zeiht.
Der Graf vom Strahl (erhebt das Käthchen vom Boden).
Ihr Herrn, was ich getan, das tat ich nur,
Sie mit Triumph hier vor euch zu erheben!
Statt meiner – (Auf den Boden hinzeigend.)
                      steht mein Handschuh vor Gericht!
Glaubt ihr von Schuld sie rein, wie sie es ist,
Wohl, so erlaubt denn, daß sie sich entferne.
Wenzel.
Es scheint Ihr habt viel Gründe, das zu wünschen?
Der Graf vom Strahl.
Ich? Gründ? Entscheidende! Ihr wollt sie, hoff ich,
Nicht mit barbarschem Übermut verhöhnen?
Wenzel (mit Bedeutung).
Wir wünschen doch, erlaubt Ihrs, noch zu hören,
Was in dem Stall damals zu Strahl geschehn.
Der Graf vom Strahl.
Das wollt ihr Herrn noch –?
Wenzel.                                       Allerdings!
Der Graf vom Strahl (glutrot, indem er sich zum Käthchen wendet).
                                                                Knie nieder!
(Käthchen läßt sich auf Knieen vor ihm nieder.)
Graf Otto.
Ihr seid sehr dreist, Herr Friedrich Graf vom Strahl!
Der Graf vom Strahl (zum Käthchen).
So! Recht! Mir gibst du Antwort und sonst keinem.
Hans.
Erlaubt! Wir werden sie –
Der Graf vom Strahl (ebenso). Du rührst dich nicht!
Hier soll dich keiner richten, als nur der,
Dem deine Seele frei sich unterwirft.
Wenzel.
Herr Graf, man wird hier Mittel –
Der Graf vom Strahl (mit unterdrückter Heftigkeit)
                                                      Ich sage, nein!
Der Teufel soll mich holen, zwingt ihr sie! –
Was wollt ihr wissen, ihr verehrten Herrn?
Hans (auffahrend).
Beim Himmel!
Wenzel.                   Solch ein Trotz soll –!
Hans.                                                           He! Die Häscher!
Graf Otto (halblaut).
Laßt, Freunde, laßt! Vergeßt nicht, wer er ist.
Erster Richter.
Er hat nicht eben, drückt Verschuldung ihn,
Mit List sie überhört.
Zweiter Richter.               Das sag ich auch!
Man kann ihm das Geschäft wohl überlassen.
Graf Otto (zum Grafen vom Strahl).
Befragt sie, was geschehn, fünf Tag von hier,
Im Stall zu Strahl, als es schon dunkelte,
Und ihr den Gottschalk hießt, sich zu entfernen?
Der Graf vom Strahl (zum Käthchen).
Was ist geschehn, fünf Tag von hier, am Abend,
Im Stall zu Strahl, als es schon dunkelte,
Und ich den Gottschalk hieß, sich zu entfernen?
Käthchen.
Mein hoher Herr! Vergib mir, wenn ich fehlte;
Jetzt leg ich alles, Punkt für Punkt, dir dar.
Der Graf vom Strahl.
Gut. – – Da berührt ich dich und zwar – nicht? Freilich!
Das schon gestandst du?
Käthchen.                               Ja, mein verehrter Herr.
Der Graf vom Strahl.
Nun?
Käthchen. Mein verehrter Herr?
Der Graf vom Strahl.                   Was will ich wissen?
Käthchen.
Was du willst wissen?
Der Graf vom Strahl.           Heraus damit! Was stockst du?
Ich nahm, und herzte dich, und küßte dich,
Und schlug den Arm dir –?
Käthchen.                                   Nein, mein hoher Herr.
Der Graf vom Strahl.
Was sonst?
Käthchen.         Du stießest mich mit Füßen von dir.
Der Graf vom Strahl.
Mit Füßen? Nein! Das tu ich keinem Hund.
Warum? Weshalb? Was hattst du mir getan?
Käthchen.
Weil ich dem Vater, der voll Huld und Güte,
Gekommen war, mit Pferden, mich zu holen,
Den Rücken, voller Schrecken, wendete,
Und mit der Bitte, mich vor ihm zu schützen,
Im Staub vor dir bewußtlos nieder sank.
Der Graf vom Strahl.
Da hätt ich dich mit Füßen weggestoßen?
Käthchen.
Ja, mein verehrter Herr.
Der Graf vom Strahl.             Ei, Possen, was!
Das war nur Schelmerei, des Vaters wegen.
Du bliebst doch nach wie vor im Schloß zu Strahl.
Käthchen.
Nein, mein verehrter Herr.
Der Graf vom Strahl.                 Nicht? Wo auch sonst?
Käthchen.
Als du die Peitsche, flammenden Gesichts,
Herab vom Riegel nahmst, ging ich hinaus,
Vor das bemooste Tor, und lagerte
Mich draußen, am zerfallnen Mauernring
Wo in süßduftenden Holunderbüschen
Ein Zeisig zwitschernd sich das Nest gebaut.
Der Graf vom Strahl.
Hier aber jagt ich dich mit Hunden weg?
Käthchen.
Nein, mein verehrter Herr.
Der Graf vom Strahl.                 Und als du wichst,
Verfolgt vom Hundgeklaff, von meiner Grenze,
Rief ich den Nachbar auf, dich zu verfolgen?
Käthchen.
Nein, mein verehrter Herr! Was sprichst du da?
Der Graf vom Strahl.
Nicht? Nicht? – Das werden diese Herren tadeln.
Käthchen.
Du kümmerst dich um diese Herren nicht.
Du sandtest Gottschalk mir am dritten Tage,
Daß er mir sag: dein liebes Käthchen wär ich;
Vernünftig aber möcht ich sein, und gehn.
Der Graf vom Strahl.
Und was entgegnetest du dem?
Käthchen.                                         Ich sagte,
Den Zeisig littest du, den zwitschernden,
In den süßduftenden Holunderbüschen:
Möchtst denn das Käthchen von Heilbronn auch leiden.
Der Graf vom Strahl (erhebt das Käthchen).
Nun dann, so nehmt sie hin, ihr Herrn der Vehme,
Und macht mit ihr und mir jetzt, was ihr wollt.
(Pause.)
Graf Otto (unwillig).
Der aberwitzge Träumer, unbekannt
Mit dem gemeinen Zauber der Natur! –
Wenn euer Urteil reif, wie meins, ihr Herrn,
Geh ich zum Schluß, und laß die Stimmen sammeln.
Wenzel.
Zum Schluß!
Hans.                   Die Stimmen!
Alle.                                           Sammelt sie!
Ein Richter.                                                     Der Narr, der!
Der Fall ist klar. Es ist hier nichts zu richten.
Graf Otto.
Vehmherold, nimm den Helm und sammle sie.
(Vehmherold sammelt die Kugeln und bringt den Helm, worin sie liegen, dem Grafen.)
Graf Otto (steht auf).
Herr Friedrich Wetter Graf vom Strahl, du bist
Einstimmig von der Vehme losgesprochen,
Und dir dort, Theobald, dir geb ich auf,
Nicht fürder mit der Klage zu erscheinen,
Bis du kannst bessere Beweise bringen.
        (Zu den Richtern.)
Steht auf, ihr Herrn! die Sitzung ist geschlossen.
(Die Richter erheben sich.)
Theobald.
Ihr hochverehrten Herrn, ihr sprecht ihn schuldlos?
Gott sagt ihr, hat die Welt aus nichts gemacht;
Und er, der sie durch nichts und wieder nichts
Vernichtet, in das erste Chaos stürzt,
Der sollte nicht der leidge Satan sein?
Graf Otto.
Schweig, alter, grauer Tor! Wir sind nicht da,
Dir die verrückten Sinnen einzurenken.
Vehmhäscher, an dein Amt! Blend ihm die Augen,
Und führ ihn wieder auf das Feld hinaus.
Theobald.
Was! Auf das Feld? Mich hilflos greisen Alten?
Und dies mein einzig liebes Kind, –?
Graf Otto.                                                 Herr Graf,
Das überläßt die Vehme Euch! Ihr zeigtet
Von der Gewalt, die Ihr hier übt, so manche
Besondre Probe uns; laßt uns noch eine,
Die größeste, bevor wir scheiden, sehn,
Und gebt sie ihrem alten Vater wieder.
Der Graf vom Strahl.
Ihr Herren, was ich tun kann, soll geschehn. –
Jungfrau!
Käthchen.       Mein hoher Herr!
Der Graf vom Strahl.                 Du liebst mich?
Käthchen.                                                             Herzlich!
Der Graf vom Strahl.
So tu mir was zu Lieb.
Käthchen.                           Was willst du? Sprich.
Der Graf vom Strahl.
Verfolg mich nicht. Geh nach Heilbronn zurück. –
Willst du das tun?
Käthchen.                     Ich hab es dir versprochen.
        (Sie fällt in Ohnmacht.)
Theobald (empfängt sie).
Mein Kind! Mein Einziges! Hilf, Gott im Himmel!
Der Graf vom Strahl (wendet sich).
Dein Tuch her, Häscher! (Er verbindet sich die Augen.)
Theobald.                                 O verflucht sei,
Mordschaunder Basiliskengeist! Mußt ich
Auch diese Probe deiner Kunst noch sehn?
Graf Otto (vom Richtstuhl herabsteigend).
Was ist geschehn, ihr Herrn?
Wenzel.                                         Sie sank zu Boden.
(Sie betrachten sie.)
Der Graf vom Strahl (zu den Häschern).
Führt mich hinweg!
Theobald.                       Der Hölle zu, du Satan!
Laß ihre schlangenhaargen Pförtner dich
An ihrem Eingang, Zauberer, ergreifen,
Und dich zehntausend Klafter tiefer noch,
Als ihre wildsten Flammen lodern, schleudern!
Graf Otto.
Schweig Alter, schweig!
Theobald (weint).                   Mein Kind! Mein Käthchen!
Käthchen.                                                                             Ach!
Wenzel (freudig).
Sie schlägt die Augen auf!
Hans.                                         Sie wird sich fassen.
Graf Otto.
Bringt in des Pförtners Wohnung sie! Hinweg!

2 Akt

-       Monolog Strahl (S. 36)
O du – – – wie nenn ich dich? Käthchen! Warum kann ich dich nicht mein nennen? Käthchen, Mädchen, Käthchen! Warum kann ich dich nicht mein nennen? Warum kann ich dich nicht aufheben, und in das duftende Himmelbett tragen, das mir die Mutter, daheim im Prunkgemach, aufgerichtet hat? Käthchen, Käthchen, Käthchen! Du, deren junge Seele, als sie heut nackt vor mir stand, von wollüstiger Schönheit gänzlich triefte, wie die mit Ölen gesalbte Braut eines Perserkönigs, wenn sie, auf alle Teppiche niederregnend, in sein Gemach geführt wird! Käthchen, Mädchen, Käthchen! Warum kann ich es nicht? Du Schönere, als ich singen kann, ich will eine eigene Kunst erfinden, und dich weinen. Alle Phiolen der Empfindung, himmlische und irdische, will ich eröffnen, und eine solche Mischung von Tränen, einen Erguß so eigentümlicher Art, so heilig zugleich und üppig, zusammenschütten, daß jeder Mensch gleich, an dessen Hals ich sie weine, sagen soll: sie fließen dem Käthchen von Heilbronn! – – – Ihr grauen, bärtigen Alten, was wollt ihr? Warum verlaßt ihr eure goldnen Rahmen, ihr Bilder meiner geharnischten Väter, die meinen Rüstsaal bevölkern, und tretet, in unruhiger Versammlung, hier um mich herum, eure ehrwürdigen Locken schüttelnd? Nein, nein, nein! Zum Weibe, wenn ich sie gleich liebe, begehr ich sie nicht; eurem stolzen Reigen will ich mich anschließen: das war beschloßne Sache, noch ehe ihr kamt. Dich aber, Winfried, der ihn führt, du Erster meines Namens, Göttlicher mit der Scheitel des Zeus, dich frag ich, ob die Mutter meines Geschlechts war, wie diese: von jeder frommen Tugend strahlender, makelloser an Leib und Seele, mit jedem Liebreiz geschmückter, als sie? O Winfried! Grauer Alter! Ich küsse dir die Hand, und danke dir, daß ich bin; doch hättest du sie an die stählerne Brust gedrückt, du hättest ein Geschlecht von Königen erzeugt, und Wetter vom Strahl hieße jedes Gebot auf Erden! Ich weiß, daß ich mich fassen und diese Wunde vernarben werde: denn welche Wunde vernarbte nicht der Mensch? Doch wenn ich jemals ein Weib finde, Käthchen, dir gleich: so will ich die Länder durchreisen, und die Sprachen der Welt lernen, und Gott preisen in jeder Zunge, die geredet wird. – Gottschalk!

-       Szene 3 Strahl / Flammberg Grund für Krieg

Der Graf vom Strahl. Flammberg! – Was führt dich so eilig zu mir her?
Flammberg. Krieg, bei meinem Eid, Krieg! Ein Aufgebot zu neuer Fehde.
Der Graf vom Strahl (betreten). Wessen? – Doch nicht des Burggrafen, mit dem ich eben den Frieden abschloß? (Er setzt sich den Helm auf.)
Flammberg. Des Rheingrafen, des Junkers vom Stein.
Der Graf vom Strahl. Des Rheingrafen! – Was hab ich mit dem Rheingrafen zu schaffen, Flammberg?
Flammberg. Mein Seel! Was hattet Ihr mit dem Burggrafen zu schaffen? Und was wollte so mancher andere von Euch, ehe Ihr mit dem Burggrafen zu schaffen kriegtet?
Der Graf vom Strahl. Es ist nicht möglich! Fräulein Kunigunde –
Flammberg. Der Rheingraf fordert, im Namen Fräulein Kunigundens von Thurneck, den Wiederkauf Eurer Herrschaft Stauffen; jener drei Städtlein und siebzehn Dörfer und Vorwerker, Eurem Vorfahren Otto, von Peter, dem ihrigen, unter der besagten Klausel, käuflich abgetreten; grade so, wie dies der Burggraf von Freiburg, und, in früheren Zeiten schon ihre Vettern, in ihrem Namen getan haben.
Der Graf vom Strahl (steht auf). Die rasende Megäre! Ist das nicht der dritte Reichsritter, den sie mir, einem Hund gleich, auf den Hals hetzt, um mir diese Landschaft abzujagen! Ich glaube, das ganze Reich frißt ihr aus der Hand.
Flammberg. Wer? Der Herold?
Der Graf vom Strahl. Was führt' er für Gründe an?
Flammberg. Ei, gestrenger Herr, da hätt er ja rot werden müssen.
Der Graf vom Strahl. Er sprach von Peter von Thurneck – nicht? Und von der Landschaft ungültigem Verkauf?
Flammberg. Allerdings. Und von den schwäbischen Gesetzen; mischte Pflicht und Gewissen, bei jedem dritten Wort, in die Rede, und rief Gott zum Zeugen an, daß nichts als die reinsten Absichten seinen Herrn, den Rheingrafen, vermöchten, des Fräuleins Sache zu ergreifen.
Der Graf vom Strahl. Aber die roten Wangen der Dame behielt er für sich?
Flammberg. Davon hat er kein Wort gesagt.
Der Graf vom Strahl. Daß sie die Pocken kriegte! Ich wollte, ich könnte den Nachttau in Eimern auffassen, und über ihren weißen Hals ausgießen! Ihr kleines verwünschtes Gesicht ist der letzte Grund aller dieser Kriege wider mich; und so lange ich den Märzschnee nicht vergiften kann, mit welchem sie sich wäscht, hab ich auch vor den Rittern des Landes keine Ruhe. Aber Geduld nur! – Wo hält sie sich jetzt auf?
Flammberg. Auf der Burg zum Stein, wo ihr schon seit drei Tagen Prunkgelage gefeiert werden, daß die Feste des Himmels erkracht, und Sonne, Mond und Sterne nicht mehr angesehen werden. Der Burggraf, den sie verabschiedet hat, soll Rache kochen, und wenn Ihr einen Boten an ihn absendet, so zweifl' ich nicht, er zieht mit Euch gegen den Rheingrafen zu Felde.
Der Graf vom Strahl. Wohlan! Führt mir die Pferde vor, ich will reiten. – Ich habe dieser jungen Aufwieglerin versprochen, wenn sie die Waffen ihres kleinen schelmischen Angesichts nicht ruhen ließe wider mich, so würd ich ihr einen Possen zu spielen wissen, daß sie es ewig in einer Scheide tragen sollte; und so wahr ich diese Rechte aufhebe, ich halte Wort! – Folgt mir, meine Freunde!

-       Szene 4 – 6 (Köhler /Sohn / Georg / Freiburg / Kunigunde)
-       Szene 8  (Köhler /Sohn / Georg / Freiburg / Kunigunde /Wetzlaf  / Schauermann /Strahl / Flammberg / Gottschalk)
-       Szene 9  - 13 Paraphrase (Brigitte Krankheit und Liebestraum)

3. Akt

-       Szene 1 – 4 Paraphrase
-       Szene 5 -6 (Graf / Käthchen / Gottschalk) Bis „Ein Anschlag auf  meine Burg? 76)

Stimme (von außen).
Macht auf! Macht auf! Macht auf!
Gottschalk.                                         Holla! – Wer ruft?
Stimme.
Ich, Gottschalk, bins; ich bins, du lieber Gottschalk!
Gottschalk.
Wer?
Stimme.   Ich!
Gottschalk.   Du?
Stimme.                 Ja!
Gottschalk.                 Wer?
Stimme.                                 Ich!
Der Graf vom Strahl (legt die Laute weg). Die Stimme kenn ich!
Gottschalk.
Mein Seel! Ich hab sie auch schon wo gehört.
Stimme.
Herr Graf vom Strahl! Macht auf! Herr Graf vom Strahl!
Der Graf vom Strahl.
Bei Gott! Das ist –
Gottschalk.                   Das ist, so wahr ich lebe –
Stimme.
Das Käthchen ists! Wer sonst! Das Käthchen
Das kleine Käthchen von Heilbronn!
Der Graf vom Strahl (steht auf).               Wie? Was? zum Teufel!
Gottschalk (legt alles aus der Hand).
Du, Mädel? Was? O Herzensmädel! Du?
        (Er öffnet die Tür.)
Der Graf vom Strahl.
Ward, seit die Welt steht, so etwas –?
Käthchen (indem sie eintritt).                     Ich bins.
Gottschalk.
Schaut her, bei Gott! Schaut her, sie ist es selbst!
Sechster Auftritt
Das Käthchen mit einem Brief. Die Vorigen.
Der Graf vom Strahl.
Schmeiß sie hinaus. Ich will nichts von ihr wissen.
Gottschalk.
Was! Hört ich recht –?
Käthchen.                           Wo ist der Graf vom Strahl?
Der Graf vom Strahl.
Schmeiß sie hinaus! Ich will nichts von ihr wissen!
Gottschalk (nimmt sie bei der Hand).
Wie, gnädiger Herr, vergönnt –!
Käthchen (reicht ihm den Brief).       Hier! nehmt, Herr Graf!
Der Graf vom Strahl (sich plötzlich zu ihr wendend).
Was willst du hier? Was hast du hier zu suchen?
Käthchen (erschrocken).
Nichts! – Gott behüte! Diesen Brief hier bitt ich –
Der Graf vom Strahl.
Ich will ihn nicht! – Was ist dies für ein Brief?
Wo kommt er her? Und was enthält er mir?
Käthchen.
Der Brief hier ist –
Der Graf vom Strahl.   Ich will davon nichts wissen!
Fort! Gib ihn unten in dem Vorsaal ab.
Käthchen.
Mein hoher Herr! Laßt bitt ich, Euch bedeuten –
Der Graf vom Strahl (wild).
Die Dirne, die landstreichend unverschämte!
Ich will nichts von ihr wissen! Hinweg, sag ich!
Zurück nach Heilbronn, wo du hingehörst!
Käthchen.
Herr meines Lebens! Gleich verlaß ich Euch!
Den Brief nur hier, der Euch sehr wichtig ist,
Erniedrigt Euch, von meiner Hand zu nehmen.
Der Graf vom Strahl.
Ich aber will ihn nicht! Ich mag ihn nicht!
Fort! Augenblicks! Hinweg!
Käthchen.                                     Mein hoher Herr!
Der Graf vom Strahl (wendet sich).
Die Peitsche her! An welchem Nagel hängt sie?
Ich will doch sehn, ob ich, vor losen Mädchen,
In meinem Haus nicht Ruh mir kann verschaffen.
        (Er nimmt die Peitsche von der Wand.)
Gottschalk.
O gnädger Herr! Was macht Ihr? Was beginnt Ihr?
Warum auch wollt Ihr, den nicht sie verfaßt,
Den Brief, nicht freundlich aus der Hand ihr nehmen?
Der Graf vom Strahl.
Schweig, alter Esel, du, sag ich.
Käthchen (zu Gottschalk).                 Laß, laß!
Der Graf vom Strahl.
In Thurneck bin ich hier, weiß, was ich tue;
Ich will den Brief aus ihrer Hand nicht nehmen!
- Willst du jetzt gehn?
Käthchen (rasch).               Ja, mein verehrter Herr!
Der Graf vom Strahl.
Wohlan!
Gottschalk (halblaut zu Käthchen da sie zittert).
                Sei ruhig. Fürchte nichts.
Der Graf vom Strahl.                             So fern dich! –
Am Eingang steht ein Knecht, dem gib den Brief,
Und kehr des Weges heim, von wo du kamst.
Käthchen.
Gut, gut. Du wirst mich dir gehorsam finden.
Peitsch mich nur nicht, bis ich mit Gottschalk sprach. –
        (Sie kehrt sich zu Gottschalk um.)
Nimm du den Brief.
Gottschalk.                     Gib her, mein liebes Kind.
Was ist dies für ein Brief? Und was enthält er?
Käthchen.
Der Brief hier ist vom Graf vom Stein, verstehst du?
Ein Anschlag, der noch heut vollführt soll werden,
Auf Thurneck, diese Burg, darin enthalten,
Und auf das schöne Fräulein Kunigunde,
Des Grafen, meines hohen Herren, Braut.
Gottschalk.
Ein Anschlag auf die Burg? Es ist nicht möglich!
Und vom Graf Stein? –

-       Szene 7 – 16 (11 und 16 streichen)  Nachtwächter, Strahl, Gottschalk, Thurneck, Käthchen, Kunigunde, Flammberg, 2 Tanten, 2 Knechte, 

Ein Nachtwächter (tritt auf und stößt ins Horn). Feuer! Feuer! Feuer! Erwacht ihr Männer von Thurneck, ihr Weiber und Kinder des Fleckens erwacht! Werft den Schlaf nieder, der, wie ein Riese, über euch liegt; besinnt euch, ersteht und erwacht! Feuer! Der Frevel zog auf Socken durchs Tor! Der Mord steht, mit Pfeil und Bogen, mitten unter euch, und die Verheerung, um ihm zu leuchten, schlägt ihre Fackel an alle Ecken der Burg! Feuer! Feuer! O daß ich eine Lunge von Erz und ein Wort hätte, das sich mehr schreien ließe, als dies: Feuer! Feuer! Feuer!
Achter Auftritt
Der Graf vom Strahl. Die drei Herren von Thurneck. Gefolge. Der Nachtwächter.
Der Graf vom Strahl. Himmel und Erde! Wer steckte das Schloß in Brand? – Gottschalk!
Gottschalk (außerhalb der Szene). He!
Der Graf vom Strahl. Mein Schild, meine Lanze!
Ritter von Thurneck. Was ist geschehn?
Der Graf vom Strahl. Fragt nicht, nehmt was hier steht, fliegt auf die Wälle, kämpft und schlagt um euch, wie angeschossene Eber!
Ritter von Thurneck. Der Rheingraf ist vor den Toren?
Der Graf vom Strahl. Vor den Toren, ihr Herrn, und ehe ihr den Riegel vorschiebt, drin: Verräterei, im Innern des Schlosses, hat sie ihm geöffnet!
Ritter von Thurneck. Der Mordanschlag, der unerhörte! – Auf! (Ab mit Gefolge.)
Der Graf vom Strahl. Gottschalk!
Gottschalk (außerhalb). He!
Der Graf vom Strahl. Mein Schwert! Mein Schild! meine Lanze.
Neunter Auftritt
Das Käthchen tritt auf. Die Vorigen.
Käthchen (mit Schwert, Schild und Lanze). Hier!
Der Graf vom Strahl (indem er das Schwert nimmt und es sich umgürtet). Was willst du?
Käthchen. Ich bringe dir die Waffen.
Der Graf vom Strahl. Dich rief ich nicht!
Käthchen. Gottschalk rettet.
Der Graf vom Strahl. Warum schickt er den Buben nicht? – Du dringst dich schon wieder auf?
(Der Nachtwächter stößt wieder ins Horn.)
Ritter Flammberg mit Reisigen. Die Vorigen.
Flammberg. Ei, so blase du, daß dir die Wangen bersten! Fische und Maulwürfe wissen, daß Feuer ist, was braucht es deines gotteslästerlichen Gesangs, um es uns zu verkündigen?
Der Graf vom Strahl. Wer da?
Flammberg. Strahlburgische!
Der Graf vom Strahl. Flammberg?
Flammberg. Er selbst!
Der Graf vom Strahl. Tritt heran! – Verweil hier, bis wir erfahren, wo der Kampf tobt!

Kunigunde von Thurneck. Die Vorigen.
Der Graf vom Strahl (empfängt sie in seinen Armen). Meine Kunigunde!
Kunigunde (schwach).
Das Bild, das Ihr mir jüngst geschenkt, Graf Friedrich!
Das Bild mit dem Futtral!
Der Graf vom Strahl.               Was solls? Wo ists?
Kunigunde.
Im Feu'r! Weh mir! Helft! Rettet! Es verbrennt.
Der Graf vom Strahl.
Laßt, laßt! Habt Ihr mich selbst nicht, Teuerste?
Kunigunde.
Das Bild mit dem Futtral, Herr Graf vom Strahl!
Das Bild mit dem Futtral!
Käthchen (tritt vor).                 Wo liegts, wo stehts?
        (Sie gibt Schild und Lanze an Flammberg.)
Kunigunde.
Im Schreibtisch! Hier, mein Goldkind, ist der Schlüssel!
(Käthchen geht.)
Der Graf vom Strahl.
Hör, Käthchen!
Kunigunde.               Eile!
Der Graf vom Strahl.       Hör, mein Kind!
Kunigunde.                                                   Hinweg!
Warum auch stellt Ihr wehrend Euch –?
Der Graf vom Strahl.                                   Mein Fräulein,
Ich will zehn andre Bilder Euch statt dessen –
Kunigunde (unterbricht ihn).
Dies brauch ich, dies; sonst keins! – Was es mir gilt,
Ist hier der Ort jetzt nicht, Euch zu erklären. –
Geh, Mädchen geh, schaff Bild mir und Futtral:
Mit einem Diamanten lohn ichs dir!
Der Graf vom Strahl.
Wohlan, so schaffs! Es ist der Törin recht!
Was hatte sie an diesem Ort zu suchen?
Käthchen.
Das Zimmer – rechts?
Kunigunde.                         Links, Liebchen; eine Treppe,
Dort, wo der Altan, schau, den Eingang ziert!
Käthchen.
Im Mittelzimmer?
Kunigunde.                   In dem Mittelzimmer!
Du fehlst nicht, lauf; denn die Gefahr ist dringend!
Käthchen.
Auf! Auf! Mit Gott! Mit Gott! Ich bring es Euch! (Ab.)

Die Vorigen, ohne Käthchen.
Der Graf vom Strahl.
Ihr Leut, hier ist ein Beutel Gold für den,
Der in das Haus ihr folgt!
Kunigunde.                               Warum? Weshalb?
Der Graf vom Strahl.
Veit Schmidt! Hans, du! Karl Böttiger! Fritz Töpfer!
Ist niemand unter euch?
Kunigunde.                           Was fällt Euch ein?
Der Graf vom Strahl.
Mein Fräulein, in der Tat, ich muß gestehn –
Kunigunde.
Welch ein besondrer Eifer glüht Euch an? –
Was ist dies für ein Kind?
Der Graf vom Strahl.               – Es ist die Jungfrau,
Die heut mit so viel Eifer uns gedient.
Kunigunde.
Bei Gott, und wenns des Kaisers Tochter wäre!
- Was fürchtet Ihr? Das Haus, wenn es gleich brennt,
Steht, wie ein Fels, auf dem Gebälke noch;
Sie wird, auf diesem Gang, nicht gleich verderben.
Die Treppe war noch unberührt vom Strahl;
Rauch ist das einzge Übel, das sie findet.
Käthchen (erscheint in einem brennenden Fenster)
Mein Fräulein! He! Hilf Gott! Der Rauch erstickt mich!
- Es ist der rechte Schlüssel nicht.
Der Graf vom Strahl (zu Kunigunden).
Tod und Teufel!
Warum regiert Ihr Eure Hand nicht besser?
Kunigunde.
Der rechte Schlüssel nicht?
Käthchen (mit schwacher Stimme). Hilf Gott! Hilf Gott!
Der Graf vom Strahl.
Komm herab, mein Kind!
Kunigunde.                               Laßt, laßt!
Der Graf vom Strahl.                               Komm herab, sag ich!
Was sollst du ohne Schlüssel dort? Komm herab!
Kunigunde.
Laßt einen Augenblick –!
Der Graf vom Strahl.             Wie? Was, zum Teufel!
Kunigunde.
Der Schlüssel, liebes Herzens-Töchterchen,
Hängt, jetzt erinnr' ich michs, am Stift des Spiegels,
Der überm Putztisch glänzend eingefugt!
Käthchen.
Am Spiegelstift?
Der Graf vom Strahl. Beim Gott der Welt! Ich wollte,
Er hätte nie gelebt, der mich gezeichnet,
Und er, der mich gemacht hat, obenein!
- So such!
Kunigunde.       Mein Augenlicht! Am Putztisch, hörst du?
Käthchen (indem sie das Fenster verläßt).
Wo ist der Putztisch? Voller Rauch ist alles.
Der Graf vom Strahl.
Such!
Kunigunde. An der Wand rechts.
Käthchen (unsichtbar).               Rechts?
Der Graf vom Strahl.                               Such, sag ich!
Käthchen (schwach).
Hilf Gott! Hilf Gott! Hilf Gott!
Der Graf vom Strahl.                       Ich sage, such! –
Verflucht die hündische Dienstfertigkeit!
Flammberg.
Wenn sie nicht eilt: das Haus stürzt gleich zusammen!
Der Graf vom Strahl.
Schafft eine Leiter her!
Kunigunde.                           Wie, mein Geliebter?
Der Graf vom Strahl.
Schafft eine Leiter her! Ich will hinauf.
Kunigunde.
Mein teurer Freund! Ihr selber wollt –?
Der Graf vom Strahl.                                   Ich bitte!
Räumt mir den Platz! Ich will das Bild Euch schaffen
Kunigunde.
Harrt einen Augenblick noch, ich beschwör Euch.
Sie bringt es gleich herab.
Der Graf vom Strahl.               Ich sage, laßt mich! –
Putztisch und Spiegel ist, und Nagelstift,
Ihr unbekannt, mir nicht; ich finds heraus,
Das Bild von Kreid und Öl auf Leinewand,
Und brings Euch her, nach Eures Herzens Wunsch.
(Vier Knechte bringen eine Feuerleiter.)
- Hier! Legt die Leiter an!
Erster Knecht (vorn, indem er sich umsieht). Holla! Da hinten!
Ein anderer (zum Grafen).
Wo?
Der Graf vom Strahl. Wo das Fenster offen ist.
Die Knechte (heben die Leiter auf).                   Oha!
Der erste (vorn).
Blitz! Bleibt zurück, ihr hinten da! Was macht ihr?
Die Leiter ist zu lang!
Die anderen (hinten).         Das Fenster ein!
Das Kreuz des Fensters eingestoßen! So!
Flammberg (der mit geholfen).
Jetzt steht die Leiter fest und rührt sich nicht!
Der Graf vom Strahl (wirft sein Schwert weg).
- Wohlan denn!
Kunigunde.               Mein Geliebter! Hört mich an!
Der Graf vom Strahl.
Ich bin gleich wieder da!
        (Er setzt einen Fuß auf die Leiter.)
Flammberg (aufschreiend).     Halt! Gott im Himmel!
Kunigunde (eilt erschreckt von der Leiter weg).
Was gibts?
Die Knechte.     Das Haus sinkt! Fort zurücke!
Alle.
Heiland der Welt! Da liegts in Schutt und Trümmern!
(Das Haus sinkt zusammen, der Graf wendet sich, und drückt beide Hände vor die Stirne; alles, was auf der Bühne ist, weicht zurück und wendet sich gleichfalls ab. – Pause.)

Käthchen tritt rasch, mit einer Papierrolle, durch ein großes Portal, das stehen geblieben ist, auf; hinter ihr ein Cherub in der Gestalt eines Jünglings, von Licht umflossen, blondlockig, Fittiche an den Schultern und einen Palmzweig in der Hand.
Käthchen (so wie sie aus dem Portal ist, kehrt sie sich, und stürzt vor ihm nieder).
Schirmt mich, ihr Himmlischen! Was widerfährt mir?
Der Cherub (berührt ihr Haupt mit der Spitze des Palmenzweigs, und verschwindet).
(Pause.)
Die Vorigen ohne den Cherub.
Kunigunde (sieht sich zuerst um).
Nun, beim lebendgen Gott, ich glaub, ich träume! –
Mein Freund! Schaut her!
Der Graf vom Strahl (vernichtet). Flammberg!
        (Er stützt sich auf seine Schulter.)
Kunigunde.                                                         Ihr Vettern! Tanten!
Herr Graf! so hört doch an!
Der Graf vom Strahl (schiebt sie von sich). Geht, geht! – – Ich bitt Euch!
Kunigunde.
Ihr Toren! Seid ihr Säulen Salz geworden?
Gelöst ist alles glücklich.
Der Graf vom Strahl (mit abgewandtem Gesicht). Trostlos mir!
Die Erd hat nichts mehr Schönes. Laßt mich sein.
Flammberg (zu den Knechten).
Rasch, Brüder, rasch!
Ein Knecht.                         Herbei, mit Harken, Spaten!
Ein anderer.
Laßt uns den Schutt durchsuchen, ob sie lebt!
Kunigunde (scharf).
Die alten, bärtgen Gecken, die! das Mädchen,
Das sie verbrannt zur Feuersasche glauben,
Frisch und gesund am Boden liegt sie da,
Die Schürze kichernd vor dem Mund, und lacht!
Der Graf vom Strahl (wendet sich).
Wo?
Kunigunde. Hier!
Flammberg.         Nein, sprecht! Es ist nicht möglich.
Die Tanten.
Das Mädchen wär –?
Alle.                                   O Himmel! Schaut! Da liegt sie.
Der Graf vom Strahl (tritt zu ihr und betrachtet sie).
Nun über dich schwebt Gott mit seinen Scharen!
        (Er erhebt sie vom Boden.)
Wo kommst du her?
Käthchen.                       Weiß nit, mein hoher Herr.
Der Graf vom Strahl.
Hier stand ein Haus, dünkt mich, und du warst drin.
- Nicht? Wars nicht so?
Flammberg.                           – Wo warst du als es sank?
Käthchen.
Weiß nit, ihr Herren, was mir widerfahren.
(Pause.)
Der Graf vom Strahl.
Und hat noch obenein das Bild.
        (Er nimmt ihr die Rolle aus der Hand.)
Kunigunde (reißt sie an sich).           Wo?
Der Graf vom Strahl.                               Hier.
Kunigunde (erblaßt).
Der Graf vom Strahl.
Nicht? Ists das Bild nicht? – Freilich!
Die Tanten.                                                 Wunderbar!
Flammberg.
Wer gab dir es? Sag an!
Kunigunde (indem sie ihr mit der Rolle einen Streich auf die Backen gibt).
                                        Die dumme Trine!
Hatt ich ihr nicht gesagt, das Futteral?
Der Graf vom Strahl
Nun, beim gerechten Gott, das muß ich sagen
- Ihr wolltet das Futtral?
Kunigunde.                             Ja und nichts anders!
Ihr hattet Euren Namen drauf geschrieben;
Er war mir wert, ich hatts ihr eingeprägt.
Der Graf vom Strahl.
Wahrhaftig, wenn es sonst nichts war –
Kunigunde.                                                     So? meint Ihr?
Das kommt zu prüfen mir zu und nicht Euch.
Der Graf vom Strahl.
Mein Fräulein, Eure Güte macht mich stumm.
Kunigunde (zu Käthchen).
Warum nahmst dus heraus, aus dem Futteral?
Der Graf vom Strahl.
Warum nahmst dus heraus, mein Kind?
Käthchen.                                                     Das Bild?
Der Graf vom Strahl.                                                   Ja!
Käthchen.
Ich nahm es nicht heraus, mein hoher Herr.
Das Bild, halb aufgerollt, im Schreibtischwinkel,
Den ich erschloß, lag neben dem Futtral.
Kunigunde.
Fort! – das Gesicht der Äffin!
Der Graf vom Strahl.                     Kunigunde! –
Käthchen.
Hätt ichs hinein erst wieder ordentlich
In das Futtral –?
Der Graf vom Strahl. Nein, nein, mein liebes Käthchen!
Ich lobe dich, du hast es recht gemacht.
Wie konntest du den Wert der Pappe kennen?
Kunigunde.
Ein Satan leitet' ihr die Hand!
Der Graf vom Strahl.                     Sei ruhig! –
Das Fräulein meint es nicht so bös. – Tritt ab.
Käthchen.
Wenn du mich nur nicht schlägst, mein hoher Herr!

4. Akt

-       Szene 1  Paraphrase
-       Szene 2 / 3 Ganz (Strahl / Käthchen / Gottschalk) Somnambules Käthchen

Der Graf vom Strahl (indem er das Futteral in den Busen steckt). Gottschalk, der mir dies Futteral gebracht, hat mir gesagt, das Käthchen wäre wieder da. Kunigunde zog eben, weil ihre Burg niedergebrannt ist, in die Tore der meinigen ein; da kommt er und spricht: unter dem Holunderstrauch läge sie wieder da, und schliefe; und bat mich, mit tränenden Augen, ich möchte ihm doch erlauben, sie in den Stall zu nehmen. Ich sagte, bis der alte Vater, der Theobald sich aufgefunden, würd ich ihr in der Herberge ein Unterkommen verschaffen; und indessen hab ich mich herabgeschlichen, um einen Entwurf mit ihr auszuführen. – Ich kann diesem Jammer nicht mehr zusehen. Dies Mädchen, bestimmt, den herrlichsten Bürger von Schwaben zu beglücken, wissen will ich, warum ich verdammt bin, sie einer Metze gleich, mit mir herum zu führen; wissen, warum sie hinter mir herschreitet, einem Hunde gleich, durch Feuer und Wasser, mir Elenden, der nichts für sich hat, als das Wappen auf seinem Schild. – Es ist mehr, als der bloße sympathetische Zug des Herzens; es ist irgend von der Hölle angefacht, ein Wahn, der in ihrem Busen sein Spiel treibt. So oft ich sie gefragt habe: Käthchen! Warum erschrakst du doch so, als du mich zuerst in Heilbronn sahst? hat sie mich immer zerstreut angesehen, und dann geantwortet: Ei, gestrenger Herr! Ihr wißts ja! – – – Dort ist sie! – Wahrhaftig, wenn ich sie so daliegen sehe, mit roten Backen und verschränkten Händchen, so kommt die ganze Empfindung der Weiber über mich, und macht meine Tränen fließen. Ich will gleich sterben, wenn sie mir nicht die Peitsche vergeben hat – ach! was sag ich? wenn sie nicht im Gebet für mich, der sie mißhandelte, eingeschlafen! – – – Doch rasch, ehe Gottschalk kommt, und mich stört. Dreierlei hat er mir gesagt: einmal daß sie einen Schlaf hat, wie ein Murmeltier, zweitens, daß sie, wie ein Jagdhund, immer träumt, und drittens, daß sie im Schlaf spricht; und auf diese Eigenschaften hin, will ich meinen Versuch gründen. – Tue ich eine Sünde, so mag sie mir Gott verzeihen.
(Er läßt sich auf Knieen vor ihr nieder und legt seine beiden Arme sanft um ihren Leib. – Sie macht eine Bewegung als ob sie erwachen wollte, liegt aber gleich wieder still.)
Der Graf vom Strahl.
Käthchen! Schläfst du?
Käthchen.                             Nein, mein verehrter Herr.
(Pause.)
Der Graf vom Strahl.
Und doch hast du die Augenlider zu.
Käthchen.
Die Augenlider?
Der Graf vom Strahl. Ja; und fest, dünkt mich.
Käthchen.
- Ach, geht
Der Graf vom Strahl. Was! Nicht? Du hättst die Augen auf?
Käthchen.
Groß auf, so weit ich kann, mein bester Herr;
Ich sehe dich ja wie du zu Pferde sitzest.
Der Graf vom Strahl.
So! – Auf dem Fuchs – nicht?
Käthchen.                                       Nicht doch! Auf dem Schimmel.
(Pause.)
Der Graf vom Strahl.
Wo bist du denn, mein Herzchen? Sag mir an.
Käthchen.
Auf einer schönen grünen Wiese bin ich,
Wo alles bunt und voller Blumen ist.
Der Graf vom Strahl.
Ach, die Vergißmeinnicht! Ach, die Kamillen!
Käthchen.
Und hier die Veilchen; schaut ein ganzer Busch.
Der Graf vom Strahl.
Ich will vom Pferde niedersteigen, Käthchen,
Und mich ins Gras ein wenig zu dir setzen.
- Soll ich?
Käthchen.         Das tu, mein hoher Herr.
Der Graf vom Strahl (als ob er riefe). He! Gottschalk! –
Wo laß ich doch das Pferd; – Gottschalk! Wo bist du?
Käthchen.
Je, laß es stehn. Die Liese läuft nicht weg.
Der Graf vom Strahl (lächelt).
Meinst du? – Nun denn, so seis!
        (Pause. – Er rasselt mit seiner Rüstung.)
                                                  Mein liebes Käthchen!
        (Er faßt ihre Hand.)
Käthchen.
Mein hoher Herr!
Der Graf vom Strahl. Du bist mir wohl recht gut.
Käthchen.
Gewiß! Von Herzen.
Der Graf vom Strahl.     Aber ich – was meinst du?
Ich nicht.
Käthchen (lächelnd). O Schelm!
Der Graf vom Strahl.                 Was, Schelm! Ich hoff –?
Käthchen.                                                                           O geh!
Verliebt ja, wie ein Käfer, bist du mir.
Der Graf vom Strahl.
Ein Käfer! Was! Ich glaub du bist –
Käthchen.                                               Was sagst du?
Der Graf vom Strahl (mit einem Seufzer).
Ihr Glaub ist, wie ein Turm, so fest gegründet! –
Seis! Ich ergebe mich darin. – Doch, Käthchen,
Wenns ist, wie du mir sagst –
Käthchen.                                       Nun? Was beliebt?
Der Graf vom Strahl.
Was, sprich, was soll draus werden?
Käthchen.                                                   Was draus soll werden?
Der Graf vom Strahl.
Ja! hast dus schon bedacht?
Käthchen.                                   Je, nun.
Der Graf vom Strahl.                             – Was heißt das?
Käthchen.
Zu Ostern, übers Jahr, wirst du mich heuern.
Der Graf vom Strahl (das Lachen verbeißend).
So! Heuern! In der Tat! Das wußt ich nicht!
Kathrinchen, schau! – Wer hat dir das gesagt?
Käthchen.
Das hat die Mariane mir gesagt.
Der Graf vom Strahl.
So! Die Mariane! Ei! – Wer ist denn das?
Käthchen.
Das ist die Magd, die sonst das Haus uns fegte.
Der Graf vom Strahl.
Und die, die wußt es wiederum – von wem?
Käthchen.
Die sahs im Blei, das sie geheimnisvoll
In der Silvesternacht, mir zugegossen.
Der Graf vom Strahl.
Was du mir sagst! Da prophezeite sie –?
Käthchen.
Ein großer, schöner Ritter würd mich heuern.
Der Graf vom Strahl.
Und nun meinst du so frischweg, das sei ich?
Käthchen.
Ja, mein verehrter Herr.
(Pause.)
Der Graf vom Strahl (gerührt). – Ich will dir sagen,
Mein Kind, ich glaub, es ist ein anderer.
Der Ritter Flammberg. Oder sonst. Was meinst du?
Käthchen.
Nein, nein!
Der Graf vom Strahl. Nicht?
Käthchen.                               Nein, nein, nein!
Der Graf vom Strahl.                                         Warum nicht? Rede!
Käthchen.
- Als ich zu Bett ging, da das Blei gegossen,
In der Silvesternacht, bat ich zu Gott,
Wenns wahr wär, was mir die Mariane sagte,
Möcht er den Ritter mir im Traume zeigen.
Und da erschienst du ja, um Mitternacht,
Leibhaftig, wie ich jetzt dich vor mir sehe,
Als deine Braut mich liebend zu begrüßen.
Der Graf vom Strahl.
Ich wär dir –? Herzchen! Davon weiß ich nichts.
- Wann hätt ich dich –?
Käthchen.                             In der Silvesternacht.
Wenn wiederum Silvester kommt, zwei Jahr.
Der Graf vom Strahl.
Wo? In dem Schloß zu Strahl?
Käthchen.                                         Nicht! In Heilbronn;
Im Kämmerlein, wo mir das Bette steht.
Der Graf vom Strahl.
Was du da schwatzst, mein liebes Kind. – Ich lag
Und obenein todkrank, im Schloß zu Strahl.
(Pause. – Sie seufzt, bewegt sich, und lispelt etwas.)
Der Graf vom Strahl.
Was sagst du?
Käthchen.               Wer?
Der Graf vom Strahl.     Du!
Käthchen.                               Ich? Ich sagte nichts.
(Pause.)
Der Graf vom Strahl (für sich).
Seltsam, beim Himmel! In der Silvesternacht –
        (Er träumt vor sich nieder.)
- Erzähl mir doch etwas davon, mein Käthchen!
Kam ich allein?
Käthchen.                 Nein, mein verehrter Herr.
Der Graf vom Strahl.
Nicht? – Wer war bei mir?
Käthchen.                                   Ach, so geh!
Der Graf vom Strahl.                                     So rede!
Käthchen.
Das weißt du nicht mehr?
Der Graf vom Strahl.               Nein, so wahr ich lebe.
Käthchen.
Ein Cherubim, mein hoher Herr, war bei dir,
Mit Flügeln, weiß wie Schnee, auf beiden Schultern,
Und Licht – o Herr! das funkelte! das glänzte! –
Der führt', an seiner Hand, dich zu mir ein.
Der Graf vom Strahl (starrt sie an).
So wahr, als ich will selig sein, ich glaube,
Da hast du recht!
Käthchen.                   Ja, mein verehrter Herr.
Der Graf vom Strahl (mit beklemmter Stimme).
Auf einem härnen Kissen lagst du da,
Das Bettuch weiß, die wollne Decke rot?
Käthchen.
Ganz recht! so wars!
Der Graf vom Strahl.       Im bloßen leichten Hemdchen?
Käthchen.
Im Hemdchen? – Nein.
Der Graf vom Strahl.         Was! Nicht?
Käthchen.                                                 Im leichten Hemdchen?
Der Graf vom Strahl.
Mariane, riefst du?
Käthchen.                       Mariane, rief ich!
Geschwind! Ihr Mädchen! Kommt doch her, Christine!
Der Graf vom Strahl.
Sahst groß, mit schwarzem Aug, mich an?
Käthchen.
Ja, weil ich glaubt, es wär ein Traum.
Der Graf vom Strahl.                                 Stiegst langsam,
An allen Gliedern zitternd, aus dem Bett,
Und sankst zu Füßen mir –?
Käthchen.                                   Und flüsterte –
Der Graf vom Strahl (unterbricht sie).
Und flüstertest, mein hochverehrter Herr!
Käthchen (lächelnd).
O Nun! Siehst du wohl? – Der Engel zeigte dir –
Der Graf vom Strahl.
Das Mal – Schützt mich, ihr Himmlischen! Das hast du?
Käthchen.
Je, freilich!
Der Graf vom Strahl (reißt ihr das Tuch ab).
                  Wo? Am Halse?
Käthchen (bewegt sich).               Bitte, bitte.
Der Graf vom Strahl.
O ihr Urewigen! – Und als ich jetzt,
Dein Kinn erhob, ins Antlitz dir zu schauen?
Käthchen.
Ja, da kam die unselige Mariane
Mit Licht – – – und alles war vorbei;
Ich lag im Hemdchen auf der Erde da,
Und die Mariane spottete mich aus.
Der Graf vom Strahl.
Nun steht mir bei, ihr Götter: ich bin doppelt!
Ein Geist bin ich und wandele zur Nacht!
        (Er läßt sie los und springt auf.)
Käthchen (erwacht).
Gott, meines Lebens Herr! Was widerfährt mir!
        (Sie steht auf und sieht sich um.)
Der Graf vom Strahl.
Was mir ein Traum schien, nackte Wahrheit ists:
Im Schloß zu Strahl, todkrank am Nervenfieber,
Lag ich danieder, und hinweggeführt,
Von einem Cherubim, besuchte sie
Mein Geist in ihrer Klause zu Heilbronn!
Käthchen.
Himmel! Der Graf!
        (Sie setzt sich den Hut auf, und rückt sich das Tuch zurecht.)
Der Graf vom Strahl.
                                Was tu ich jetzt? Was laß ich?
(Pause.)
Käthchen (fällt auf ihre beiden Kniee nieder).
Mein hoher Herr, hier lieg ich dir zu Füßen,
Gewärtig dessen, was du mir verhängst!
An deines Schlosses Mauer fandst du mich,
Trotz des Gebots, das du mir eingeschärft;
Ich schwörs, es war ein Stündchen nur zu ruhn,
Und jetzt will ich gleich wieder weiter gehn.
Der Graf vom Strahl.
Weh mir! Mein Geist, von Wunderlicht geblendet,
Schwankt an des Wahnsinns grausem Hang umher!
Denn wie begreif ich die Verkündigung,
Die mir noch silbern wiederklingt im Ohr,
Daß sie die Tochter meines Kaisers sei?
Gottschalk (draußen).
Käthchen! He, junge Maid!
Der Graf vom Strahl (erhebt sie rasch vom Boden).
                                            Geschwind erhebe dich!
Mach dir das Tuch zurecht! Wie siehst du aus?
Dritter Auftritt
Gottschalk tritt auf. Die Vorigen.
Der Graf vom Strahl.
Gut, Gottschalk, daß du kommst! Du fragtest mich,
Ob du die Jungfrau in den Stall darfst nehmen;
Das aber schickt aus manchem Grund sich nicht;
Die Friedborn zieht aufs Schloß zu meiner Mutter.
Gottschalk.
Wie? Was? Wo? – Oben auf das Schloß hinauf?
Der Graf vom Strahl.
Ja, und das gleich! Nimm ihre Sachen auf,
Und auf dem Pfad zum Schlosse folg ihr nach.
Gottschalk.
Gotts Blitz auch, Käthchen! hast du das gehört?
Käthchen (mit einer zierlichen Verbeugung).
Mein hochverehrter Herr! Ich nehm es an,
Bis ich werd wissen, wo mein Vater ist.
Der Graf vom Strahl.
Gut, gut! Ich werd mich gleich nach ihm erkundgen.
(Gottschalk bindet die Sachen zusammen; Käthchen hilft ihm).
Nun? Ists geschehn?
        (Er nimmt ein Tuch vom Boden auf, und übergibt es ihr.)
Käthchen (errötend).         Was! Du bemühst dich mir?
(Gottschalk nimmt das Bündel in die Hand.)
Der Graf vom Strahl.
Gib deine Hand!
Käthchen.                   Mein hochverehrter Herr!

-       Szene (4  - 8) Paraphrase


5. Akt

-       Szene beginnt mit Kampf Strahl vs. Theobald basierend auf 112 /113
-       Eventuell Kaiser.
-       Szene 12 Käthchen / Strahl

Der Graf vom Strahl (indem er sie bei der Hand nimmt, und sich setzt).
Nun denn, mein Käthchen, komm! komm her, o Mädchen!
Mein Mund hat jetzt dir etwas zu vertraun.
Käthchen.
Mein hoher Herr! Sprich! Was bedeutet mir –?
Der Graf vom Strahl.
Zuerst, mein süßes Kind, muß ich dir sagen,
Daß ich mit Liebe dir, unsäglich, ewig,
Durch alle meine Sinne zugetan.
Der Hirsch, der von der Mittagsglut gequält,
Den Grund zerwühlt, mit spitzigem Geweih,
Er sehnt sich so begierig nicht,
Vom Felsen in den Waldstrom sich zu stürzen,
Den reißenden, als ich, jetzt, da du mein bist,
In alle deine jungen Reize mich.
Käthchen (schamrot).
Jesus! Was sprichst du? Ich versteh dich nicht.
Der Graf vom Strahl.
Vergib mir, wenn mein Wort dich oft gekränkt,
Beleidigt; meine roh mißhandelnde
Gebärde dir zuweilen weh getan.
Denk ich, wie lieblos einst mein Herz geeifert,
Dich von mir wegzustoßen – und seh ich gleichwohl jetzo dich
So voll von Huld und Güte vor mir stehn,
Sieh, so kommt Wehmut, Käthchen, über mich,
Und meine Tränen halt ich nicht zurück. (Er weint.)
Käthchen (ängstlich).
Himmel! Was fehlt dir? Was bewegt dich so?
Was hast du mir getan? Ich weiß von nichts.
Der Graf vom Strahl.
O Mädchen, wenn die Sonne wieder scheint,
Will ich den Fuß in Gold und Seide legen,
Der einst auf meiner Spur sich wund gelaufen.
Ein Baldachin soll diese Scheitel schirmen,
Die einst der Mittag hinter mir versengt.
Arabien soll sein schönstes Pferd mir schicken,
Geschirrt in Gold, mein süßes Kind zu tragen,
Wenn mich ins Feld der Klang der Hörner ruft;
Und wo der Zeisig sich das Nest gebaut,
Der zwitschernde, in dem Holunderstrauch,
Soll sich ein Sommersitz dir auferbaun,
In heitern, weitverbreiteten Gemächern,
Mein Käthchen, kehr ich wieder, zu empfangen.
Käthchen.
Mein Friederich! Mein angebeteter!
Was soll ich auch von dieser Rede denken?
Du willst? – Du sagst? – (Sie will seine Hand küssen.)
Der Graf vom Strahl (zieht sie zurück).
                                      Nichts, nichts, mein süßes Kind.
        (Er küßt ihre Stirn.)
Käthchen.
Nichts?
Der Graf vom Strahl.
              Nichts. Vergib. Ich glaubt, es wäre morgen.
- Was wollt ich doch schon sagen? – Ja, ganz recht,
Ich wollte dich um einen Dienst ersuchen.
        (Er wischt sich die Tränen ab.)
Käthchen (kleinlaut.)
Um einen Dienst? Nun, welchen? Sag nur an.
(Pause.)
Der Graf vom Strahl.
Ganz recht. Das wars. – Du weißt, ich mache morgen Hochzeit.
Es ist zur Feier alles schon bereitet;
Am nächsten Mittag bricht der Zug,
Mit meiner Braut bereits zum Altar auf.
Nun sann ich mir ein Fest aus, süßes Mädchen,
Zu welchem du die Göttin spielen sollst.
Du sollst, aus Lieb zu deinem Herrn, für morgen
Die Kleidung, die dich deckt, beiseite legen,
Und in ein reiches Schmuckgewand dich werfen,
Das Mutter schon für dich zurecht gelegt.
- Willst du das tun?
Käthchen (hält ihre Schürze vor die Augen). Ja, ja, es soll geschehn.
Der Graf vom Strahl.
Jedoch recht schön; hörst du? Schlicht aber prächtig!
Recht, wies Natur und Weis in dir erheischt.
Man wird dir Perlen und Smaragden reichen;
Gern möcht ich daß du alle Fraun im Schloß,
Selbst noch die Kunigunde überstrahlst. –
Was weinst du?
Käthchen.                 – Ich weiß nicht, mein verehrter Herr.
Es ist ins Aug mir was gekommen.
Der Graf vom Strahl.                             Ins Auge? Wo?
        (Er küßt ihr die Tränen aus den Augen.)
Nun komm nur fort. Es wird sich schon erhellen.

-       Szene 13 / 14 Hochzeit. (Strahl / Käthchen)

Der Graf vom Strahl. Halt hier, mit dem Baldachin! – Herold, tue dein Amt!
Der Herold (ablesend). »Kund und zu wissen sei hiermit jedermann, daß der Reichsgraf, Friedrich Wetter vom Strahl, heut seine Vermählung feiert, mit Katharina, Prinzessin von Schwaben, Tochter unsers durchlauchtigsten Herrn und Kaisers. Der Himmel segne das hohe Brautpaar, und schütte das ganze Füllhorn von Glück, das in den Wolken schwebt, über ihre teuren Häupter aus!«
Kunigunde (zu Rosalie). Ist dieser Mann besessen, Rosalie?
Rosalie. Beim Himmel! Wenn er es nicht ist, so ist es darauf angelegt, uns dazu zu machen. –
Burggraf von Freiburg. Wo ist die Braut?
Ritter von Thurneck. Hier, ihr verehrungswürdigen Herren!
Freiburg. Wo?
Thurneck. Hier steht das Fräulein, unsere Muhme, unter diesem Portal!
Freiburg. Wir suchen die Braut des Grafen vom Strahl. – Ihr Herren, an euer Amt! Folgt mir und laßt uns sie holen.
(Burggraf von Freiburg, Georg von Waldstätten und der Rheingraf vom Stein, besteigen die Rampe und gehen ins Schloß.)
Die Herren von Thurneck. Hölle, Tod und Teufel! Was haben diese Anstalten zu bedeuten?
Vierzehnter Auftritt
Käthchen im kaiserlichen Brautschmuck, geführt von Gräfin Helena und Fräulein Eleonore, ihre Schleppe von drei Pagen getragen; hinter ihr Burggraf von Freiburg usw. steigen die Rampe herab.
Graf Otto. Heil dir, o Jungfrau!
Ritter Flammberg und Gottschalk. Heil dir, Käthchen von Heilbronn, kaiserliche Prinzessin von Schwaben!
Volk. Heil dir! Heil! Heil dir!
Herrnstadt und von der Wart (die auf dem Platz geblieben). Ist dies die Braut?
Freiburg. Dies ist sie.
Käthchen. Ich? Ihr hohen Herren! Wessen?
Der Kaiser. Dessen, den dir der Cherub geworben. Willst du diesen Ring mit ihm wechseln?
Theobald. Willst du dem Grafen deine Hand geben?
Der Graf vom Strahl (umfaßt sie). Käthchen! Meine Braut! Willst du mich?
Käthchen. Schütze mich Gott und alle Heiligen! (Sie sinkt; die Gräfin empfängt sie.)
Der Kaiser. Wohlan, so nehmt sie, Herr Graf vom Strahl, und führt sie zur Kirche!
(Glockenklang.)
Kunigunde. Pest, Tod und Rache! Diesen Schimpf sollt ihr mir büßen! (Ab, mit Gefolge.)
Der Graf vom Strahl. Giftmischerin!


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